Hotzenwald: NATUR & MENSCHEN
zwischen Hochrhein und Hochschwarzwald

Die Bezeichnung Hotzenwald tritt erstmals im 19. Jahrhundert auf und ist somit eine relativ junge Wortschöpfung. Der Hozzenwald wird 1864 in der 4. Auflage des Romans Der Trompeter von Säckingen von Josef Victor von Scheffel erwähnt. Als Hotzenland wird die Region zwischen Wehra und Alb in ANDREEs Handatlas 1881 bezeichnet. Der Begriff Hotzenwald in der heutigen Schreibweise ist erstmals in einem Vortrag des Heidelberger Wirtschaftshistorikers Eberhard GOTHEIN 1887 zu finden.
Der Name Hotzen für die Bewohner dieser reizvollen Berglandschaft wurde von Joseph Victor von Scheffel im Jahr 1853 benutzt, die bis dahin einfach die Wälder hießen (Scheffels Werke, Bd. 4 Leipzig 1917, S. 52).
Die Bezeichnung Hotzenwald ist möglicherweise aus älteren verwandten Begriffen entwickelt worden. Die im Mittelalter gebräuchlichen Begriffe Hotzen sowie Hotz könnten jeder für sich oder auch zusammen die Wortschöpfung inspiriert haben.
Das Wort Hotzen leitet sich möglicherweise auch vom Wort Houtz ab, welches ein altalemannischer Ausdruck für Bauer oder Wälder war. Eine andere Deutung kommt vom Mittelhochdeutschen hotzen – schnellgehen, schaukeln.
Das Gebiet des Hotzenwaldes ist urkundlich nicht genau definiert. Der Hotzenwald im engeren Sinn ist das südlichste Gebiet des Südschwarzwaldes, das nach Westen in etwa durch die Wehra, im Norden in etwa durch den Oberlauf der Alb bei St. Blasien, im Osten durch den Bergrücken zwischen Alb und Schlücht und im Süden durch den Hochrhein begrenzt wird. Diese Eingrenzung des Hotzenwaldes deckt sich in etwa mit dem Gebiet der ehemaligen Grafschaft Hauenstein.
Im weiteren Sinn werden Gebiete dem Hotzenwald zugerechnet, die mit dem historisch im Südschwarzwald bedeutenden Kloster St. Blasien oder der Grafschaft Hauenstein in Verbindung standen. Hierzu gehört beispielsweise die Gemarkung von Gersbach (Südschwarzwald), welche im Jahr 1166 durch die Schenkung einer Kirche an das Kloster St. Blasien erstmals schriftlich erwähnt wurde, und direkt nordwestlich der Wehra liegt. Weiter sind dies im Nord-Westen die Gebiete bis zum Mittel- und Oberlauf der Wiese und im Osten bis zum Bergrücken zwischen Schlücht und Steina.
Die Region, nach beiden Definitionen, erstreckt sich überwiegend über mittlere und hohe Lagen des Südschwarzwaldes. Sie steigt vom Niveau des Hochrhein (etwa 300 m ü. NN) zügig an und erreicht auf dem größten Teil der Fläche eine Höhe von 500 bis über 1000 m ü. NN. Die Region fällt von den Erhebungen des Südschwarzwaldes im Norden zum Hochrhein im Süden hin ab und ist gekennzeichnet durch sonnige Hochebenen und Hochtäler.
Die Flüsse im Hotzenwald bilden im Oberlauf in der Regel ein Hochtal und schneiden in ihrem weiteren Verlauf tief in das Grundgebirge des Schwarzwaldes ein. Sie folgen dem Gefälle des Südschwarzwaldes in Nord-Süd-Richtung und münden schließlich als rechte Nebenflüsse in den Rhein. Flüsse in der Region Hotzenwald sind von Westen nach Osten Wiese, Wehra, Murg, Alb und Schlücht. Die Gemeinden im Kern der Region sind Rickenbach, Herrischried, Dachsberg und Görwihl.
Der heutige Hotzenwald (in etwa die damalige Grafschaft Hauenstein) war vor 1806 wie auch die vier Waldstädte am Hochrhein und das Kloster St. Blasien Teil Vorderösterreichs und somit Hoheitsgebiet des Hauses Habsburg. Insbesondere die weitgehende, frühe und demokratische Selbstverwaltung der Grafschaft Hauenstein, sowie die Salpetererunruhen oder Salpetererkriege werden heute mit dem Hotzenwald assoziiert. Diese Ereignisse bezeichnete Scheffel einst als fossil gewordener Bauernkrieg (Scheffels Werke, Bd. 4 Leipzig 1917, S. 261).
In der Zeit als sich die Bezeichnung Hotzenwald im Sprachgebauch etablierte, verlor die Region, im Wesentlichen als Folge der Eisenbahnlinie am Hochrhein, den Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung. Die Bergwerke im Hotzenwald sowie die Eisenhütten und -schmieden am Hochrhein wurden unrentabel. Die Holzwirtschaft und Köhlerei im Hotzenwald verlor ihren Absatzmakt. Die Region entwickelte sich zu einem Armenhaus in Süddeutschland, bis nach dem Zweiten Weltkrieg das Land Baden-Württemberg ein Hotzenwaldprogramm auflegte, das die Ansiedlung von Gewerbebetrieben und die touristische Entwicklung beförderte.
Natur pur
Im Naturpark Südschwarzwald findet man neben Wald und offenen Grünflächen ein strukturreiches Landschaftsmosaik mit unzähligen kleineren und großflächigen Biotopen – Natur pur inmitten der Kulturlandschaft.
Die zahlreichen Moore, Feucht- und Nasswiesen besitzen eine hohe Lebensraumqualität für seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten und zeichnen sich durch eine hohe Artenvielfalt aus.
In den naturnahen und kaum beeinträchtigten Fließgewässern des Südschwarzwalds kommen heute noch seltene heimische Fischarten wie zum Beispiel Groppe und Bachforelle vor.
Gletscherseen wie der Titisee und der Feldsee sind bedeutende eiszeitliche Naturseen, die sich durch kühles, sauerstoffreiches und klares Wasser auszeichnen.
Wald und Mensch sind im Südschwarzwald seit Jahrhunderten untrennbar miteinander verbunden, denn es war vor allem der Wald, der vielen Menschen ehemals Arbeit bot.
Viele Berufe lebten und leben von und mit dem Holz: Glasbläser, Bergleute, Köhler, Flößer, Schindel- und Bürstenmacher und vor allem die Schwarzwälder Uhrmacher. Letztere erlangten bereits vor mehr als 200 Jahren Weltruhm, der bis heute nicht verblasst ist. Die Schwarzwälder Kultur und Kunst ist aber nicht nur in Freilichtmuseen zu bestaunen. Traditionelles Kunsthandwerk steht heute wieder überall hoch im Kurs.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts war der Schwarzwald aufgrund einer intensiven Holznutzung fast ganz entwaldet. Heute sind wieder rund zwei Drittel der Gesamtfläche des Südschwarzwaldes von Wald bedeckt.
Der Wald im Naturpark Südschwarzwald hat heute vielfältige Aufgaben und ist geprägt durch eine multifunktionale, standortangepasste Waldwirtschaft. Er ist nicht nur bedeutender Wirtschaftsfaktor durch die Produktion des nachwachsenden Rohstoffes „Holz“. Dem Wald kommt vor allem eine bedeutende Rolle als ökologischer Ausgleichs- und Erholungsfaktor zu, und zwar sowohl für die Touristen und Besucher der Region als auch für die hier lebenden einheimischen Menschen.
Einzigartige Pflanzenwelt

Im weiten Regionen des Südschwarzwaldes war es Brauch, das Vieh der Landwirte gemeinsam unter der Obhut von Hirtenbuben auf den Flächen der Gemeinde weiden zu lassen, den Allmenden. Diese Flächen sind zumeist in den Hochlagen zu finden.
Viele dieser Weiden, man nennt sie hierzulande Weidfelder, werden heute nicht mehr genutzt, und doch kann man sie noch immer von weitem erkennen. Mit ihren zahlreichen Kräutern sind sie nie so grasgrün wie die Wiesen in den Tälern, sondern mal braun durch das Heidekraut (Calluna vulgaris), mal graungrün durch das Borstgras (Nardus stricta) oder gelb getupft, wenn der Besenginster (Sarothamnus scoparius) oder die Arnika (Arnika montana) blühen. Wiesen-Scharfgarbe (Achillea millefolium) und Bärwurz (Meum athamanticum) fügen weiße Flecken in das abwechslungsreiche Bild. Mächtige Weidbuchen (Fagus sylvatica) zeigen in den Herbsttagen ihr buntes Blätterkleid.
Nie blühen alle Pflanzen zu gleicher Zeit, und gerade deshalb bilden diese Weidfelder zu jeder Jahreszeit einen einmaligen Lebensraum.
Der Fingerhut Bärwurz (Meum athamanticum) Wiesen-Scharfgarbe
(Achillea millefolium)
Spuren vergangener Zeiten
Im extremen Klima der Höhenlagen um Feldberg, Belchen und Schauinsland konnte eine einzigartige Pflanzenwelt entstehen, die in ihrer Art weder aus anderen Regionen des Schwarzwaldes, noch aus anderen deutschen Mittelgebirgen bekannt ist. Es sind Relikte der letzten Eiszeit, die auf den waldfreien Hochflächen bis heute überdauern konnten. Scheuchzers Glockenblume (Campanula scheuzeri) oder die Alpen-Troddelblume (Soldanella alpina) sind Beispiele für solche Reliktpflanzen.

Scheuchzers Glockenblume (Campanula scheuzeri) Alpen-Troddelblume (Soldanella alpina)
Arnika (Arnika montana) 
Zahlreiche Moore gehören zu den faszinierendsten Lebensräumen im Südschwarzwald. In den ständig wasserdurchtränkten Torfböden können nur wenige äußerst seltene, aber ebenso eindrucksvolle Pflanzenarten, wie beispielsweise der blaue Sumpfstern (Swertia perennis) oder das Traunsteiner Knabenkraut (Dactylorhiza traunsteineri), überleben.

blaue Sumpfstern (Swertia perennis) Traunsteiner Knabenkraut (Dactylorhiza traunsteineri)
Ein unscheinbarer Unterwasser-Farn

Brachsenkräuter (Isoetes)
Die Gattung der Brachsenkräuter (Isoetes) kommt fast weltweit vor. Brachsenkräuter wachsen im flachen Wasser klarer Teiche und Seen vor, in tieferen Seen auch bis in 10 m Tiefe und damit oft vollständig unter der Wasseroberfläche. Die Pflanzen erinnern von ihrer Erscheinung her an grasartige Unterwasserfarne, gehören aber zu den Bärlapppflanzen. Früher wurden Brachsen und andere Süßwasserfische auf diesem Kraut gebettet auf Märkten angeboten, daher kommt der Name
Eine Besonderheit im Naturpark Südschwarzwald ist das Stachelsporige Brachsenkraut (Isoetes echinospora), das in Mitteleuropa nur noch im Feldsee und stellenweise im Titisee vorkommt. Zum Schutz dieser seltenen Art herrscht seit einigen Jahren im Feldsee generelles Badeverbot.

Weitere Informationen über die Pflanzenwelt im Naturpark Südschwarzwald erhalten Sie in der Dauerausstellung im Haus der Natur.
Die Tierwelt im Naturpark Südschwarzwald ist vielfältig und artenreich. Neben Rot-, Reh- und Schwarzwild oder Gemsen leben in den heimischen Wäldern auch die vom Aussterben bedrohten Raufußhühner oder Luchse. Der seltene Dreizehenspecht und der Sperlingskauz sind ebenfalls im Naturpark Südschwarzwald heimisch.

Einen Augenblick für das Auerhuhn

Auerhuhn (Tetrao urogallus). Dreizehenspecht (Picoides tridactylus)
Sehr scheu und nur noch selten in den lichten Bergwälder des Hochschwarzwald anzutreffen, ist das Das Auerhuhn gilt in weiten Teilen Mitteleuropas als „vom Aussterben bedroht“ und steht in Deutschland auf der Roten Liste mit der höchsten Gefährdungsstufe. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass dieser eindrucksvolle Vogel, der zu den Raufußhühnern gehört, in unseren Wäldern noch heimisch ist.
Der Naturpark Südschwarzwald setzt sich seit vielen Jahren in Zusammenarbeit mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg intensiv für den Schutz des selten gewordenen Vogels ein. Mit der Informationskampagne „Lichter Wald, Heidelbeere und Auerhuhn“ fordert man einen Augenblick Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit für eine unvergleichlich schöne und intakte Landschaft und eine einzigartige Tierart.
Besuchen Sie den Wichtelpfad im Auerhuhnwald am Feldberg. Hier wird kindgerecht über die Lebensweise des Auerwildes informiert.

Die Rückkehr des Pinselohrs
Seit kurzem macht sich das „Pinselohr“, wie der Luchs (Lynx lynx) auch umgangssprachlich genannt wird, wieder im Schwarzwald bemerkbar. Keiner weiß, woher genau die Tiere zu uns gekommen sind, doch der Südschwarzwald ist dank der ausgedehnten Wälder und seiner Wildbestände ein für den Luchs geeigneter Lebensraum. Wir Menschen bekommen den Heimlichtuer nur selten zu Gesicht. Schade! Aber der Luchs sucht sich immer ein gutes Versteck!
Der Naturpark Südschwarzwald engagiert sich seit vielen Jahren für dieses imponierende Raubtier. In Zusammenarbeit mit der Luchs-Initiative Baden-Württemberg e.V. wurde eine Informationskampagne gestartet, um über die Lebensweise des Luchses sowie vor allem auch über die bei der Rückkehr des Luchses in den Schwarzwald möglichen Wechselwirkungen und Zielkonflikte zu informieren.
Der Rote Milan
Milvus milvus
Familie: Greifvögel (Accipitridae)

Der Rotmilan kann seine Flügel so weit ausbreiten, wie ein Mann groß ist (175 bis 195 cm Flügelspannweite). Das Männchen wiegt 700 bis 1300 g, das Weibchen ist 200 bis 300 g schwerer.
Wir erkennen den Rotmilan an seinem Schwanz, der aussieht wie ein V. Oft hat der Rotmilan seine Flügel im Flug angewinkelt, so kann man ihn immer gut erkennen.Der Rotmilan hat viele Farben, von oben ist er rotbraun und von unten hell. Die Flügelenden sind sehr dunkel.
Vorkommen, Verbreitung und Lebensraum: Die meisten Rotmilane leben in Deutschland, Frankreich und Spanien. Manche leben auch in anderen Ländern in Mitteleuropa, Südeuropa und
Der Rotmilan mag keine hohen Berge, er lebt lieber am Rand von Wäldern, Seen und manchmal auch an Stadträndern.
Ernährung: Die Rotmilane fressen viele Tiere, wie andere Vögel, Fische, Frösche, Mäuse und Hamster. Sie fressen aber auch Eidechsen, Regenwürmer, Käfer und Heuschrecken. Sehr gerne fressen Milane auch tot gefundene Tiere (Aas).
Verhalten: Der Rotmilan ist ein guter Flieger. Wenn er durch die Luft gleitet, steuert er mit dem Schwanz. Er fliegt sehr weite Strecken um Fressen zu finden, manchmal 10 oder 12 Kilometer (wenn wir das zu Fuß laufen, brauchen wir 3 oder 4 Stunden).
Fortpflanzung: Rotmilane bauen ihre Nester meistens selber, aber sie nehmen dafür alles was sie finden können, auch Wollfäden und Plastikfolien. Das kann aber gefährlich für die Kücken werden, wenn die sich verheddern. Meistens legen die Milanweibchen 2 oder 3 Eier. Zuerst wird das Futter nur vom Vater besorgt und die Mutter bleibt im Nest. Sie passt auf und füttert die kleinen Milane. Später füttern beide Eltern ihre Jungen.
Feinde: Nur der Mensch wird zum Feind, wenn er mit dem Auto oder LKW über Straßen fährt die der Milan im Tiefflug überquert. Auch Stromleitungen sind manchmal gefährlich für den Milan.
Ameisen & Ameisenhaufen
Der Ameisenhaufenweg in Segeten . 
Mit bis zu zwei Metern Größe gehören Ameisenhügel zu den imposantesten Bauten, die unsere heimische Insektenwelt hervorbringt. Dabei ist der oberirdische Nesthügel nur der kleinere Teil der gesamten Anlage. Im Nest der Roten Waldameise (Formica rufa) sind schätzungsweise zwischen einer halben Millionen und einer Millionen Individuen ständig am werkeln, reparieren und ausbauen der Behausung beteiligt. Außerdem kümmern sich die sozialen Hautflügler um die Aufzucht der Jungen, regulieren die Temperatur und ziehen in Kolonnen hinaus um auf Nahrungssuche zu gehen.
Die meisten Bewohner eines Ameisennestes gehören zur Arbeiterkaste, die sich nach dem Prinzip der Arbeitsteilung um alle Belange des täglichen Lebens kümmert. So ist bei den Ameisen Frauen-Power angesagt. Die vielköpfige Organisation des Ameisennestes untersteht den Arbeiterinnen – Weibchen, die nicht geschlechtsreif werden. Wohingegen die größere Königin ausschließlich die Aufgabe hat die zahlreiche Nachkommenschaft zu produzieren.
Einmal im Jahr krabbeln die jungen geflügelten Königinnen aus dem Nest und starten zu ihrem Jungfernflug. Jetzt kommen auch die geflügelten Männchen ins Spiel. Sie dienen einzig und allein als Samenspender und ihr Leben endet meistens nach der Hochzeit. Nach dem Hochzeitsflug verlieren die jungen Königinnen ihre Flügel wieder. Dank der Samenspeicherung können sie fortan auf Männerbesuche verzichten und gründen ihren eigenen Ameisenstaat.
Krai-Woog-Gumpen",
einer Gletschermühle mit "Swimming-Pool". ...
Wasserfall im Schwarzenbach im "Oberer Hotzenwald" in der Nähe von Todtmoos /Schwarzwald

Die Gletschermühlen oder Krai-Woog-Gumpen bestehen aus zwei dicht nebeneinander liegenden Steinbecken mit einem Durchmesser von 2,70 Metern. Die Becken entstanden in der Rißeiszeit durch einen Gletscher, der hier einen Felsriegel zu überwinden hatte. Sie wurden unter dem Eis durch im Gletscherwasser rotierende Steine ausgestrudelt. Der Krai-Woog-Gumpen wurde erst 1955 entdeckt und freigelegt.
Krai-Woog Gumpen ist ein alemannischer Name bedeutet: lauter rauschender Wasserfall der in ein Becken springt.
"Krai" laut sein, schreien, lautes Rauschen.
"Woog" bedeutet Wasserfall, Woge.
"Gumpen" springen, hüpfen.
Der Krai-Woog Gumpen hat ein ganz besonderes Energiezentrum.
Gletschermühlen sind, durch an der Gletscheroberfläche oder in Spalten abfließende Schmelzwässer geschaffene, spiralwandige Hohlformen im Eis. Die hierdurch in kreisförmige Bewegung versetzten Gesteinstrümmer verschiedenster Korngrößen forcieren die Erweiterung und Vertiefung diese Formen und werden dabei selbst rund geschliffen.
Gletschermühlen können Durchmesser von bis zu 10 Metern erreichen und entstehen meist in flachen Bereichen des Gletschers mit horizontalen Gletscherspalten. Sie können bis zum Grund des Gletschers reichen und hunderte Meter tief sein. Für die Glaziologie spielen Gletschermühlen durch die leichte Zugänglichkeit in das Innere eines Gletschers eine wichtige Rolle. Die Bezeichnung Mühle wurde von dem mahlenden, meist rotierenden Abfluss des Schmelzwassers abgeleitet.
Die Produkte der eiszeitlichen Gletschermühlen die Gletschertöpfe finden sich in allen Gebieten der glazialen Vereisung, beispielsweise im Gletschergarten von Weißbach an der Alpenstraße, in dem diese Auswaschungen einen Durchmesser von bis zu einem Meter aufweisen. In Finnland findet man Gletschertöpfe mit Durchmessern und Tiefen bis 15 m.
MENSCHEN
STRITTMAT: Hauptsitzt eine religiöse Gruppierung „Fiat Lux“
Dr. Hansjörg Hemminger
Kurzbeschreibung:
Die Neuoffenbarungsgruppe wurde von der 1927 in Zürich geborenen Schweizerin Erika Bertschinger (Uriella) gegründet. Hauptsitz ist Strittmatt bei Waldshut (Hochrhein). Sie will aufgrund eines Reitunfalls 1973 Sehergaben erlangt haben, seit 1975 versteht sie sich als Sprachrohr Gottes. Außerdem beansprucht sie die Fähigkeit geistigen Heilens und vertreibt zahlreiche esoterische und alternative Heilmittel.
Sie wurde deshalb 1998 wegen Zoll- und Steuerhinterziehung und wegen Verstössen gegen das Arzneimittelgesetz zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, andere Verurteilungen in der Schweiz gingen dem voraus. Man muß bei dem Heilmittelgeschäft daher von einer erheblichen kriminellen Energie der Gruppe ausgehen.
Der Orden Fiat Lux ("Es werde Licht") wurde als Kaderorganisation 1980 gegründet. Die ca. 800 bis 1000 Ordensmitglieder müssen auf Fleisch, Alkohol, Tabak, Tee, Kaffee, Radio und Fernsehen usw. verzichten und unterwerfen sich einer strengen Führerschaft durch "Uriella". Zu einem weiteren Anhängerkreis sind jedoch ungefähr 3000 Menschen zu zählen.
Die Lehre Uriellas beruht auf dem Reinkarnationsglauben und besteht aus zahlreichen angeblichen Offenbarungen, die sie in Tieftrance zu erhalten beansprucht. Dabei fielen besonders die immer wiederkehrenden Vorhersagen für eine kommende Weltkatastrophe auf, durch die Anhängerinnen und Anhänger in angst und Schrecken versetzt und zu Panikreaktionen veranlaßt wurden. Weiterhin ist zu beobachten, daß die Gemeinschaft kranke Menschen faszinieren kann, die nach einem Strohhalm greifen, um doch noch Heilung zu finden. Vor der Gruppe muß nachdrücklich gewarnt werden.
Eine Neuoffenbarungsgruppe, die seit etwa 1987 von sich reden macht und mehr die Aufmerksamkeit der Medien als der Kirchen erregt, ist der "Orden Fiat Lux".
Während Gabriele Wittek vom Universellen Leben vorgibt, das "lnnere Wort" bei "vollem Wachbewußtsein, jedoch abgesenkt" aufzunehmen, präsentiert sich Uriella, die Prophetin von Fiat Lux, als Tieftrance-Medium. Auch in diesem Fall führt uns die Suche nach den Ursprüngen in die spiritistisch-mediumistische Szene.
1. Entstehung
Erika Bertschinger-Eicke (nach ihrem jetzigen 3. Mann), *1929, war in ihrer Schweizer Heimat Dolmetscherin und Chefsekretärin. Schon im (katholischen) Elternhaus dürfte sie mit neuoffenbarerisch-spiritistischen Kreisen in Berührung gekommen sein. Seit der Heirat mit einem Unternehmer lebt sie vorwiegend in Egg bei Zürich.
Mehrjährige Aufenthalte in England und den Vereinigten Staaten gaben ihr Einblick in das Wirken spiritistischer Medien. Ab 1967 besuchte sie die "Geistige Loge Zürich" der Beatrice Brunner und arbeitete dort eine Zeit lang unentgeltlich mit. 1972 erhielt sie eine angebliche Kundgabe Jesu und Mariens. 1973 erlitt sie einen einen Reitunfall, dessen Folgen sie aber sehr positiv deutet: Durch die Gehirnerschütterung wurde ihr "Kleinhirn besonders zubereitet für das Empfangen der (göttlichen) Bildersprache". Nach dem Erwachen aus der Bewußtlosigkeit erfuhr sie Hellsichtigkeit und konnte erstmals ihren Engel erblicken.
Nach einer längeren Zeit im "Lichtzentrum Bethanien" hatte sie zu Weihnachten 1975 erstmals eine Offenbarung in Tieftrance (Volltrance). Seitdem versteht sie sich als "Sprachrohr Gottes", durch das Gott in der Ich-Form zur Menschheit spricht.
Nach dem Tod ihres ersten Mannes errichtete sie 1977 in Egg bei Zürich ein "Heiligtum" mit Namen "Lichtquell Bethanien", welches bis heute das Zentrum der Gemeinschaft ist. Es begannen die (durchnumerierten) Gottesdienste mit den "neuen Offenbarungen" Jesu Christi durch "Uriella". Sie und die Ihren verstehen sich ja als Nachkommen des Erzengels Uriel, einer Gestalt aus den alttestamentliehen Apokryphen (Apokryphen sind nicht in den Kanon aufgenommene Bücher, die den biblischen Schriften ähnlich sind.), von dem behauptet wird, daß er Mitschöpfer war.
Am 12.1.1980 erfolgte dann (im 127. Gottesdienst) die Gründung des"Ordens Fiat Lux" (= "Es werde Licht!"; nach Gen 1,3) durch "Jesus Christus selbst". In den 80er Jahren spielte ein ehemaliger röm. kath. Priester aus der Erzdiözese Freiburg/Br., Kurt Warter (1925-1988), eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung des Ordens. Er galt als Ratgeber und Manager von Erika Bertschinger und wurde "Uriello" genannt (gleichzeitig erschaffene männliche "Doppel-Seele").
Das Emblem von Fiat Lux zeigt eine Schale, aus der Wasser sprudelt, von einem Strahlenkranz umgeben. Die Verwendung der Bezeichnung "Bethanien" rührt daher, daß E. Bertschinger überzeugt ist, in früheren Leben (außer ein Engelwesen und die Ägypterin Nofretete) auch Maria Magdalena, die Schwester des Lazarus zu Bethanien gewesen zu sein.
2. Lehre und Leben
In den Ordenshäusern von Fiat Lux lebt eine elitäre innere Gruppe, die durchwegs aus dem gehobenen Mittelstand kommt. Unter der autoritären Führung von Uriella richten sie sich nach strengen "Ordensregeln", die ihr Leben als sogenannte "Fiat Lux-Träger" kennzeichnen:
• tägliche "Lichtsendungen" (-zigmale wird suggestiv "Fiat Lux" wiederholt) und "Affirmationen" (= Beteuerungen; z. B. "Sieg dem Licht!") als Vorbereitung der tranceartigen Stimmung des Gottesdienstes
• übliche"Volltrance"-Gottesdienste
• rigorose Speise- und Kleidungsvorschriften (Vegetarismus, keinerlei Genußmittel; weiße/helle Kleidung zur Konzentration positiver Schwingungen)
• Fasten an jedem Freitag
• Meditation völlige Abkehr von aller Welt mit ihren Unterhaltungen und Informationsquellen
All das, weil es der "Heiland" so will! Dieser "Heiland" ist im großen und ganzen sehr auskunftsfreudig. Im Heftchen 38 ("Geistesschulung durch unseren Himmlischen Vater in Jesus Christus"; gegeben in den Gottesdiensten 135 - 138 durch Uriella) beantwortet Jesus z. B. folgende Fragen (die vorher eingereicht werden müssen!):
• :"Geliebter Heiland! Kannst Du uns Kefir als Getränk empfehlen?"
• "Befürwortest Du den Milchgenuß?"
• "Sind Amalgamzahnfüllungen gesundheitsschädlich?"
• "Sind Klimaanlagen empfehlenswert?"
• "Wohnen die Mars-und Venusbewohner auf der Rückseite ihres Planeten und stellen diese auch Raumschiffe her?"
• "Werden Deine entrückten Kinder von den Flugschiffen aus die Generalsäuberung der Erde und Menschen verfolgen können?"
Wenn auch die werbeträchtige Faszination offensichtlich von den Heilungsangeboten, den Gesundheitsratschlägen und den göttlichen "Antworten auf alle Fragen" ausgeht, ist ein Blick auf die grundsätzlichen Lehrinhalte doch nicht unwichtig.
Im Mittelpunkt steht zweifellos das reine, "Vollkommene Sprachrohr Gottes", Uriella, das sich durch Nächstenliebe und ihre Fähigkeit als "Geistheilerin" ausweist. An diesem einzigen Maßstab wird alles gemessen, jeder Schatten von Kritik und Zweifel ist von daher undenkbar, der Engstirnigkeit und Einseitigkeit sind keine Grenzen gesetzt.
Wie im Universellen Leben ist die Welt und der Mensch etwas Gefallenes (zur Materie verdichtete "Feinstofflichkeit"), das sich in Aufwärtszyklen zu Gott hinauferlösen muß: Karma und Reinkarnation, Schuld und mühevolle Selbsterlösung in einem Jahrmillionen währenden Schulungsweg nehmen auch hier eine zentrale Funktion ein. Die Erlösung besteht in einem Prozeß der "Durchlichtung der Seele" und der "Verfeinstofflichung unserer physischen Hülle". Also auch hier ist der unerschütterliche Glaube an die Reinkarnation zu finden, und man trifft in der erlesenen Schar u. a. auf Johann Strauß (Uriellas Ehemann Eberhard Eicke, auch Icordo genannt), auf Maria Magdalena und Jeanne d'Arc sowie auf (ehemalige) Kaiser und Pharaonen.
Eine wirre, phantasievolle Engel- und Geisterlehre, komplizierte Strahlensysteme und (nach Tschernobyl) eingehende Katastrophen-Prophezeiungen schüren die Angst der Anhänger und bieten zugleich Rettung und Zuflucht nach dem "Polsprung": Die Ordenshäuser von Fiat Lux gelten als apokalyptische Bergungsorte! (Bedeutsam sind Egg ZH, Görwihl/Strittmatt, und in Österreich 9132 Gallizien, Sittersdorf, südlich von Klagenfurt).
Schon 1986, dann 1991 rechnete man mit dem "Polsprung", "Atom-Schlag und Weltgericht", verordnete "Frischkost" und Fleischlosigkeit. Auch stellte man 130.000 große "Mutterraumschiffe" von anderen Planeten in Aussicht, um die Treuen und Gerechten zu entrücken, während die Erde "gereinigt" wird. Inzwischen tun es aber auch die Heilmittel, die Uriella bereitstellt:
Nach medialen Diagnosen "in Halbtrance" heilt sie vorwiegend durch Handauflegung. Durch sie strömt angeblich der "Athrum-Strahl des ewigen Lebens, der Liebe und des Heilens, in dem auch Radium enthalten ist", in die Kranken ein. Daneben wird Heilwasser angeboten, das Uriella mit kreisender Handbewegung in einer Badewanne ebenfalls "mit dem göttlichen Athrumstrahl" auflädt. Es soll alle Organe reinigen; Früchte und Gemüse werden vor dem Verzehr hineingelegt, medizinische Spritzen sollen durch die Beifügung dieses Wassers in der "Wirkung kompliementiert" werden. Darüber hinaus stellt E. Bertschinger über hundert "kosmische und spagyreische (= feinstoffliche) Mittel" her, u. a. "Ätherampullen" gegen Leukämie, Tuberkulose, Multiple Sklerose und selbst Aids. So ist es nicht verwunderlich, daß Uriella ihren Anhängern verbietet, zum Arzt zu gehen, schließlich gäbe es ja die "göttliche Apotheke". Nichts von diesem Esoterikmix ist originell, die Parallelen und Querstränge zu J. Lorber, G. Wittek und Geistige Loge/Zürich sind offenkundig.
Bei aller Berufung auf Jesus Christus und das Christentum sehen wir auch hier: Bibel und biblische Offenbarung wird als unzuverlässig, verfälscht und unzureichend dargestellt. Alle zentralen Wahrheiten des christlichen Glaubens werden umgedeutet und gehen auf in einem völlig andersartigen esoterischen Konstrukt.
Letztlich ist diese Gemeinschaft von Ängsten, Zwängen und Abhängigkeitsmechanismen gekennzeichnet; aber für nicht wenige ist das ein gern gezahlter Preis für vermeintliche Heilung, Entlastung und Sicherheit.